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5 Jahre „Klassisch Reiten“ – ein Grund zum Feiern, aber auch zu kritischer Rückschau und zum Nachdenken über die selbst gesetzten Ziele.

Schon der Name „Klassisch Reiten“ lädt zum Nachdenken ein. Was heißt eigentlich „Klassisch“? Eine Anfrage an Wikipedia liefert eine ganze Seite Treffer zum Suchbegriff „Klassik“. Man kann es sich aussuchen ob man unter Klassik die Antike (ca. 490-330 v.Chr.) versteht - die Zeit Xenophon’s und Alexander des Großen -, oder lieber eine spätere Epoche, herauf ins 19. Jahrhundert. Selbst Egon von Neindorff konnte den Begriff „klassisch“ in einem Interview nicht wirklich definieren. Trotzdem trägt sein nach seinem Tod erschienene Buch den Titel „Die reine Lehre der klassischen Reitkunst“. Andere klassischen Reiter wiederum berufen sich auf François Robichon de la Guérinière (* 1688; † 1751). Sie können sich darauf stützen, dass sie Französische Klassik im 17. Jahrhundert stattgefunden hat.

L’art pour l’art (frz. wörtlich: Die Kunst für die Kunst, sinngemäß: Die Kunst um der Kunst willen) war in der Französischen Klassik angesagt. Meine Suche nach einer einheitlichen oder eindeutigen Definition klassischen Reitens bleibt letztlich erfolglos. Dennoch fällt mir etwas auf, was allen klassischen Epochen gemeinsam ist: der unvorstellbar hohe Wert, den damals ein Pferd hatte. Man muss sich vor Augen halten, dass der legendäre Bukephalos Alexander den Großen auf seinen Eroberungs-Feldzügen bis nach Persien und Indien getragen hat. Bukephalos ist im Alter von etwa 30 Jahren verstorben – ob altersbedingt oder im Kampf, darüber gibt es widersprüchliche Überlieferungen. Man kann aber davon ausgehen, dass das Pferd bis ins hohe Alter fit war und Alexander‘s Feldzüge waren wahrlich keine Spaziergänge. Und heute?

Das Durchschnittsalter eines mitteleuropäischen Pferdes beträgt unglaubliche 7 Jahre, bei einer Lebenserwartung von 14 Jahren. Obwohl sich die medizinische Versorgung seit der Antike vermutlich um einiges verbessert hat, ist die Lebenserwartung erheblich gesunken. Das Pferd ist zum Verbrauchsmaterial geworden. Wenn es nicht mehr funktioniert wird es ausgetauscht, bevor es in ein Alter kommt, in dem unweigerlich das eine oder andere gesundheitliche Problem auftaucht, wird es „abgeschafft“.Für mich aber bedeutet „Klassisch Reiten“, sich mit dem Pferd als Lebewesen in einer Form auseinanderzusetzen, die ihm ein langes, möglichst gesundes Leben ermöglicht. Wenn ich auf das Alter der Pferde in unserem Verein blicke – das reicht von 2 bis 32 , mit einem Durchschnitt von etwa 15 Jahren -, dann ist das schon sehr erfreulich! „Klassisch Reiten“ heißt für mich auch, sich mit dem Pferd ganzheitlich auseinanderzusetzen, mit all den Frage und Themen die sich rundherum auftun: Ethik, Gesundheit, Haltung Fütterung, Zucht.Der vorliegende Band gibt einen schönen Einblick, wie vielfältig die Beschäftigung mit dem Pferd sein kann. Mitglieder und Freunde des Vereins „Klassisch Reiten“ haben hier eine Sammlung interessanter Beiträge zu Themen rund ums Pferd geschaffen, die sich sehen lassen kann.

Meinen herzlichen Dank allen, die im Verein und bei der Jahresschrift mitgeholfen haben!Ich wünsche den Lesern viel Spaß beim Lesen und unseren Vereinsmitglie dern für die Zukunft viel Gesundheit und viele erbauliche Stunden mit ihren Pferden.


Stefan Pirnik


Präsident

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