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Von Stefanie Lerch

Hinter diesen Namen verbirgt sich eine immer häufiger auftretende und multifaktoriell bedingte Erkrankung der Atemwege beim Pferd. 1 Pferde, die an dieser Erkrankung leiden, entwickeln oft eine schwere Atemnot, wenn siebestimmten Partikeln (wie Staub, Schimmelsporen, Pollen, etc.) ausgesetzt sind. Ein hoher Prozentsatz der Pferde hat  meist haltungsbedingt  mit teils schweren Lungenproblemen zu kämpfen. Zu wenige Weidegang, schlecht gelüftete Ställe, Ammoniak getränkte Böden leisten ihren Beitrag. Aber auch nicht vollständig ausgeheilten Infektionskrankheiten wie Herpes oder Grippeinfektionen können zu einer chronischen Lungenkrankheit führen. Weiters haben Studien gezeigt, dass auch genetische Faktoren das Auftreten dieser Krankheit beeinflussen können. Häufig liegt die Ursache der klassischen RAO wie auch anderen Atemwegserkrankungen in der Exposition gegenüber organischem Staub. Dieser organische Staub findet sich in erster Linie im Heu (auch in qualitativsehr hochwertigem Heu), in zweiter Linie im Stroh und erst an dritter Stelle steht der Reithallenstaub.

1 COPD= Chronic obstructive pulmonary diesease  chronisch obstruktive Erkrankung der Lunge, RAO= Recurrent Airway Obstruction  wiederkehrende Atemwegsobstruktion, IAD= Inflammatory Airway Disease  entzündliche Atemwegserkrankung. Seit 2000 verwendet man nun die Begriffe RAO und IAD, vgl. Bingold, http://www.equivetinfo.de/html/hustenerkrankungen.html am 31.10.2011.2

Verantwortlich gemacht werden vor allem Allergene und Irritantien im Heustaub, aber die immunologischen Ursachen und Mechanismen der RAO sind nicht eindeutig geklärt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die RAO familiär gehäuft auftritt, und es ist nun gesichert, dass die Krankheit auch durch genetische Faktoren beeinflusst wird. Das Risiko, RAO zu entwickeln, ist bei Nachkommen eines betroffenen Elterntiers3fach erhöht und steigt bei Pferden mit zwei betroffenen Elternteilen weiter auf fastdas 5fache an.(V. Gerber u.a., Dtsch. tierärztl. Wschr. 115: 7 (2008), 271275)Dieser Staub ist die Ursache für einen Teufelskreis, den Dr. C. A. Bingold wie folgt skizziert 3 :

Möglichkeiten der Therapiebegleitung

Die ersten Anzeichen dieser Erkrankung der Atemwege sind oft schwer zu erkennen und daher reagieren viele Pferdebesitzer erst wenn die ersten Symptome auftreten  Nasenausfluß, Husten oder Änderung der Atemfrequenz. Obwohl es einige Möglichkeiten gibt das Fortschreiten der Krankheit einzudämmen und die Symptome zu lindern, kann man sie nur in seltenen Fällen wirklich ausheilen. Die Therapie solch schwerer, manchmal auch mit dem Tod endender, Krankheit muss unbedingt einem Veterinär überantwortet werden, der über Art und Dauer der Therapie entscheidet. Dennoch kann man viel zum Wohlergehendes Patienten beitragen.

Generell ist bei der Behandlung chronisch kranken Pferden der ganzheitliche Ansatz zu verfolgen. Beim ersten Erkennen der Krankheit (Leistungsabfall, (http://www.equivetinfo.de/html/teufelskreis.html am 11.10.2011) Nasenausfluß, Husten, Änderung der Atemfrequenz) sollte umgänglich für eine möglichst staubfreie Haltung gesorgt werden, da diese eine Vorraussetzung für jede Therapie ist. Vorteilhaft ist eine Offenstallhaltung, aber leiderfinden sich nicht viele Offenställe, die RAO Pferde geeignet sind. Da in den meisten Offenställen den Pferden Heu immer zur Verfügung steht und die Möglichkeiten allen Pferden nasses Heu zu füttern beschränkt sind, ist die so wichtige Offenstallhaltung oft sehr schwer umsetzbar. Daher ist zumindest eine Haltung in einer Box mit Paddock und ausreichendem Weidegang anzustreben. Bei einigen Patienten tragen bereits die veränderten Haltungsbedingungen zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome bei.

In vielen Fällen kann die Krankheit nicht geheilt werden, daher ist das Ziel, die Symptome zu lindern und dem Pferd ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Die Schleimbildung einzudämmen und die Absonderung zu forcieren ist oberste Maxime. Dabei spielt ausreichende Bewegung eine zentrale Rolle, denn je weniger die Lunge arbeitet und belüftet wird, desto mehr Schleimkann sich bilden und festsetzen. Gleichzeitig kann ein gut gymnastizierter Pferdekörper die Atmung unterstützen. Wichtig ist darauf zu achten, dass das Zwerchfell nicht zu stark verspannt ist und das Sternum oder die Rippen nicht blockiert sind, da dies die Atmung weiter erschweren würde. Vor allem durch starken Husten verspannen sich die Muskeln, die nun nicht mehr in derLage sind die Atmung zu unterstützen. Um dies zu erreichen spielt vor allem Bewegung eine sehr wichtige Rolle.

Bewegung im richtigen Maß

Der Schlüssel zur Heilung von RAO und IAD liegt in der Bewegung. „Im Gegensatz zur akuten Atemwegsinfektion, bei der die Pferde Ruhe brauchen, sollten Pferde mit chronischen Lungenerkrankungen soweit belastet werden, daß sie nicht in Atemnot geraten aber dennoch so viel wie möglich arbeiten. Sorgfältig muss darauf geachtet werden, dass das Pferd nicht in Atemnot geratet, denn wenn RAO Pferde Luft aus der Lunge pressen müssen, dann wird der Lunge zusätzlich Schaden zugefügt. Der große Druck lässt die empfindlichen Lungenbläschen platzen. Daher muss man also viel Fingerspitzengefühl an den Tag legen, um die günstigste Belastung einzuschätzen und keinen noch größere Schaden anzurichten. Wichtig zu unterstreichen ist aber auch, dass je weniger die Lange arbeitet und ventiliert wird, sich umso mehr Schleim in der Lunge festsetzt. Daher empfehlen Tierärzte eine angepasste, regelmäßige Arbeit ohne Überbelastung. Dies ist der effektivste Weg mit einer verschleimten Lunge fertig zu werden.

Aus der Kräuterküche

Zusatzfuttermittel können helfen den Allgemeinzustand des Pferdes zu verbessern und damit das Immunsystem zu stärken. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, hochwertiges Kraftfutter zu füttern, möglichst ohne Zusatz von Melasse, Mais oder Soja. Pferde haben starke Instinkte welche Kräuter für sie wichtig sind, so lässt sich beispielsweise vor allem im Frühling beobachten, dass Pferde hauptsächlich Löwenzahn fressen. Löwenzahn hat eine starkleberreinigende Wirkung und hilft den Körper zu entgiften. Allergiker habeneinen erhöhten Bedarf an „Fängern“ von freien Radikalen und mehrfachungesättigten Fettsäuren, die in hohem Ausmaß in den ältesten Heilmittelnder Menschheit vorkommen, wie sie beispielsweise im Nutzhanf und im Schwarzkümmel vorkommen. Vor allem in der Hanfpflanze kommen alle ungesättigten Fettsäuren, Omega3, 6 und 9 Säuren, zahlreich Spurenelement, sowie zahlreiche Antioxidantien vor.

Kräutertees helfen Pferden wie Menschen mit verschleimten Atemwegen und lindern die Beschwerden. Die meisten Pferde lieben die wohlduftenden Kräutertees, die man aus verschiedenen heimischen Kräutern herstellen kann. Altbekannte Kräuter wie Spitzwegerich, Isländisch Moos, aber auch Anis, Fenchel, Süßholz, Eibisch und Alantwurzeln haben schleimlösende Wirkungen. Man kann den Kräutertee auch mit Honig süßen, denn die antiseptische Wirkung des Honigs ist seit alters her bekannt und man kann sie sich bei der Behandlung von Husten und Halsentzündungen nutzbar machen. Löwenzahn, Mariendisteln und Brennnesseln helfen den Organismus zu entgiften und so den Allgemeinzustand zu verbessern.

Die ätherischen Öle des steirischen Kren haben nicht nur beim Reiben für die Jause eine tränentreibende Wirkung, frisch über das Futter gerieben, wirkt es auch bei Pferden gut Schleim zu lösen. Interessanterweise mögen Pferde diese scharfe Wurzel gerne und fressen teilweise auch im Ganzen. Auch die traditionell chinesiche Medizin (TCM) kennt einige Mittel, die helfen die Symptome der RAO zu lindern. Zur besseren Sauerstoffaufnahme im Bluthilft beispielsweise der chinesische Raupenpilz (Cordyceps sinensis). Reishi(Ling Zhi) enthält zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe, Aminosäuren, Polysaccharide und Triterpene, die sich nachweislich positiv auf den Organismus auswirken.

An der Wiener veterinärmedizinischen Universität wurde vor einigen Jahren eine Studie zur Wirkung von Pestwurz bei Pferden gemacht, die sehr gute Erfolge erzielen konnte. Ein neues Medikament wurde aus der Pestwurz gewonnen, das vor allem bei der Behandlung von Asthma und Migräne beim Menschenerstaunliche Wirkung zeigte. Aus der Pestwurz kann ein Antihistamin hergestellt werden, das ohne die üblichen Nebenwirkungen auskommt. Vor allem die krampflösende Wirkung der Pestwurz ist medizinisch nachgewiesen und erzielt auch bei Pferden gute Ergebnisse. Pestwurzpräparate sind als nützliche Unterstützung zu verstehen, die den Einsatz von Cortison beschränken können. Da sie fast frei von Nebenwirkungen sind, können sie auch als Langzeittherapieverabreicht werden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass man bei der Verfolgung eines ganzheitlichen Ansatzes auch Pferden mit starken Lungenproblemen zu einemerfüllten und symptomfreien Leben verhelfen kann. Wichtig dabei ist auf die artgerechte Pferdehaltung, ausgewogene Ernährung, ausreichenden Bewegung sowie auf die Gymnastizierung der Pferde zu achten.

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