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Edgar Rieger

„Kein Pferd ohne Huf “ – Nach diesem Motto habe ich mich mit Hufkrankheiten beschäftigt und stelle die Hufkrankheiten vor, mit denen man als Pferdebesitzerwohl am öftesten konfrontiert ist.

Bild:Hufwand Kronrand Hufsohle Tragrandmittlere seitliche Strahlfurche

Hufrehe

Hufrehe ist eine Erkrankung des Bindegewebes zwischen Hufbein und Hufhorn.Im Extremfall(!) löst sich das Hufhorn von der Zehe ab („Ausschuhen“). Meistsind die Vorderhufe betroffen.

Symptome der akuten Hufrehe sind Schmerzen in den Hufen, die zu typischem Verhalten führen: Trippeln, also häufige Verlagerung des Gewichts von einem Bein auf ein anderes. Die Vorderbeine werden nach vorne ausgestellt, die Hinterbeine weit unter den Körper gestellt (bei Erkrankung der Vorderhufe, um das Körpergewicht von diesen weg zu verlagern). Im Schritt wird auf den Trachten aufgefußt. Wendungen werden vermieden. Bei starken Schmerzen bewegt sich das Pferd nicht mehr oder liegt. Weitere Symptome sind Pulsierender Fußarterien, Überwärmung der Hufe, Druckschmerz an der Hufwand und –sohle. Die Ursachen sind mannigfaltig:

1. Überfütterung mit eiweiß und/oder fruktanreichen Futtermitteln (fruktanreiches Gras [siehe Kapitel Weidehaltung], welkes Grünfutter, nicht abgelagertes Heu; Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Mais, Zuckerrüben, Melasse, Erbsen, Linsen, Bohnen, Luzerne), abrupte Futterumstellung

2. Futtermittel mit toxischen Inhaltsstoffen (bakterielle, Pilz–, pflanzliche Gifte, Schimmelpilzbefall, Spritzmittel, Giftpflanzen)

3. Langzeitanwendung von Medikamenten wie Cortison (entzündungshemmend) und Phenylbutazon (Schmerzmittel)

4. Nachgeburtsverhaltung

5. Fieberhafte Infektionen (einschließlich Druse)

6. Mechanische Überlastung (Trab, Galopp auf hartem Boden, langes Stehen, Stehen auf drei Beinen [z.B. bei Verletzungen])

7.  Komplex aus Übergewicht, Neigung zu Zuckerkrankheit und Fettstoffwechselstörungen.

Begünstigende Faktoren sind: Übergewicht, metabolisches Syndrom 1 ,Hufanomalien, zu starke Hufkorrektur und zu starkes Beschneiden der Hufsohle beim Beschlag, fehlende Zehenrichtung, Stolleneisen. Die akute Hufrehe ist ein Notfall! Die tierärztliche Behandlung muss so rasch wie möglich beginnen. Die medikamentöse Behandlung zielt auf Schmerzbekämpfung und Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes. Gefüttert wird das erkrankte Pferd nur mit Heu in geringen Mengen. Boxenhaltung ist erforderlich. Die Einstreu sollte weich und tief sein. Eventuell werden Hufeisen entfernt. Spezielle Bandagen und Unterlagen zielen auf Druckverminderung auf die Hufsohle.

Die akute Hufrehe kann in eine chronische übergehen. Es kommt zu Veränderungen des Hufbeins, die langwierige Behandlungen erforderlich machen.

Vernagelung

Bei der direkten Vernagelung verletzt ein Nagel beim Beschlagen die nervenreiche Huflederhaut. Das hat eine sofortige Schmerzreaktion zur Folge. Wird der Nagel nicht gezogen, lahmt das Pferd sofort. Es entwickelt sich eine eitrige Huflederhautentzündung. Die Fußarterie pulsiert, Druck mit der Hufzange ist stark schmerzhaft. Das Hufeisen muss abgenommen werden. Neben lokalen antiseptischen Maßnahmen wird eine antibiotische Behandlung durch den Tierarzt erforderlich sein. Wichtig ist auch Vorsorge gegen Tetanus(regelmäßige Impfung im Abstand von 18 Monaten).

Bei der indirekten Vernagelung wird die Huflederhaut nicht verletzt, aber der Nagel liegt zu nahe an der Huflederhaut und verursacht nach wenigen Tagen durch Reizung der Lederhaut Lahmheit. Der Nagel muss gezogen werden. Boxenhaltung mit weicher Einstreu ist erforderlich.

Nageltritt

Nägel, Glasscherben, Holzsplitter, scharfkantige Steine und ähnliches können durchdringende Verletzungen vor allem der Hufsohle verursachen. Häufig ist ein Eindringen der Fremdkörper im Bereich der seitlichen Strahlfurchen. Die Folge ist eine eitrige Entzündung der Huflederhaut mit hochgradiger Lahmheit. Der Fremdkörper sollte bis zum Eintreffen des Tierarztes belassen werden, damit dieser anhand der Stichrichtung beurteilen kann, welche inneren Teile verletzt sein können. Der Stichkanal wird vom Tierarzt ausgeschnitten und die Wunde mit einem Druckverband geschlossen. Lokale Desinfektion und Antibiotikawerden erforderlich sein.

Hufabszeß

Das Hufabszeß ist eine eitrige Entzündung der Huflederhaut (Bindegewebezwischen Horn und Hufbein). Ursachen sind: Verletzungen durch Fremdkörper(z.B. Nageltritt, Vernagelung), Ausstrahlung von Kronentritten, durchdringende Hornspalten.

Symptome sind: Lahmheit, Pulsation der Mittelfußarterien, punktförmige Schmerzhaftigkeit beim Abklopfen mit dem Hammer, Überwärmung von Ballen und Krone, Schwellung oberhalb des Kronrandes. Zur Behandlung ist eine Eröffnung der Abszeßhöhle durch den Tierarzterforderlich, damit der Eiter abfließen kann. Spülungen können erforderlich sein. Die Wunde wird mit einem Hufdruckverband versorgt. Haltung in einer Box mit weicher, sauberer Einstreu ist sinnvoll.

Strahlfäule

Strahlfäule entsteht durch Haltung auf feuchter Einstreu (v.a. Matratzeneinstreu 2 )und Matsch. Begünstigende Faktoren sind Bewegungsmangel und starkes Beschneiden des Strahles beim Beschlag.

Das Strahlhorn wird weich. Gärender Dung und ammoniakhaltige Jauchelösen das Strahlhorn auf und Fäulnisbakterien zersetzen schließlich das Strahlhorn. Strahlfäule beginnt meist in der mittleren Strahlfurche und greift dann auf die Strahlschenkel und die Hornballen über. Bei der Behandlung ist die wichtigste Maßnahme die Änderung der Haltungsbedingungen. Zersetztes Hornmaterial wird entfernt. Desinfizierende Lösungen (z. B. Betaisodona® ) reduzieren die Keimbesiedelung. Hufteer oder –öl wirken hingegen kontraproduktiv, weil der Strahl dadurch luftdichtabgeschlossen wird, was das Bakterienwachstum ankurbelt.

Hornspalten

„Hornspalten“ sind Spalten, die in Richtung der Hornröhrchen verlaufen (von oben nach unten), während Spalten quer zur Richtung der Hornröhrchen als „Hornkluften“ bezeichnet werden.

Ursachen sind Veränderungen der Hornqualität (zu weiches oder zu hartes Horn bei fehlender Hufpflege), Hufanomalien, Verletzung hornbildender Strukturen (z. B. Kronentritt), fehlerhafter Beschlag, schnelle Gangarten auf hartem Boden.

Nach der Tiefe unterscheidet man Windrisse (Riss in der Glasurschicht),oberflächliche Hornspalten (bis zur pigmentierten Röhrchenschicht),tiefe Hornspalten (durch die gesamte Röhrchenschicht), durchdringende Hornspalten (bis zur Huflederhaut).

Nach der Ausdehnung der Spalten unterscheidet man Kronrand, Tragrand und durchgehende Hornspalten.

2 Die Einstreu wird nicht entfernt, sondern neue Einstreu auf die feuchte und harnhältige alte Einstreu aufgestreut. Durch den Hufmechanismus 3 werden die Hornränder ständig gegeneinander verschoben, was zu einer Entzündung der Huflederhaut führt. Dies zeigt sich in Druckschmerz um den Spalt, Pulsation der Mittelfußarterie und Lahmheit. Durchdringende Spalten verursachen eine eitrige Huflederhautentzündung mithochgradiger Lahmheit.

Kronrandspalten werden durch Schneiden einer Querrinne am unteren Rand des Spaltes und Schneiden einer Schwebe am Tragrand behandelt. Bei Tragrandspalten wird eine Querrinne am oberen Rand geschnitten und ebenfalls eine Schwebe am Tragrand angelegt. Die Querrinne verhindert die Verlängerung des Spaltes. Die Schwebe am Tragrand entlastet die Hufwand im Bereich des Spaltes beim Auffußen.

Literatur

Körber H.D. (2007). Huf, Hufbeschlag, Hufkrankheiten. Stuttgart: Franckh-Kosmos.

3 Bewegung des Hufes beim Auf und Abfußen.

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