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Von Julia Fellinger

 

Das Thema Pferdehaltung würde sicherlich einige Bücher füllen, wenn man alle Aspekte genauestens unter die Lupe nehmen möchte. Dennoch, oder genau aus diesem Grunde sollte man sich hierbei nie ausruhen und die Haltung seines Pferdes immer wieder von Neuem begutachten. Vielleicht findet sich ja hier der ein oder andere Denkanstoß.

 

Was versteht man unter „artgerecht“?

 

Es gibt gesetzliche Rahmenbedingungen für die Haltung von Pferden, doch sollten diese als Mindestanforderung verstanden werden. „Artgerecht“ oder „pferdegerecht“ bedeutet vielmehr dem Pferd die Bedingungen zu schaffen, unter denen es sein arteigenes, natürliches Verhalten so uneingeschränkt wie möglichausleben kann. Die optimalen Bedingungen ergeben sich aus dem natürlichen Pferdeverhalten und den daraus abgeleiteten Grundbedürfnissen:

 

 Klima, Licht und Luft

 Bewegung und Fluchtmöglichkeit

 Nahrungsaufnahme und Ausscheidung

 Sozialkontakt

 Ruhebedürfnis

 

Klima, Licht und Luft

 

Ausreichend frische Luft, geringe Staubbelastung und Schadgasvermeidung (Ammoniakdämpfe) sind essentiell für die Gesundheit der Atmungsorgane. Klimareize, Licht und Witterung garantieren einen gut funktionierenden Stoffwechsel und sollten daher den Pferden nicht vorenthalten werden. Ein optimaler Stall ist demnach hell, luftig, aber nicht zugig mit genügend Öffnungen ins Freie und einer Luftfeuchte von 60-80%. Außentemperatur und Stalltemperatursollten sich angleichen können.

 

Bewegung und Fluchtmöglichkeit

 

In der Natur bewegt sich das Pferd zur Futteraufnahme bis zu 16 Stunden am Tag und legt dabei Strecken von 20 bis 30km zurück. Ausreichende Bewegungsmöglichkeit und Bewegungsanreize beugen Erkrankungen und Verhaltensstörungen durch Langeweile vor. Als Fluchttier hat es eine gute Beobachtungsgabe um Gefahren schnell zu erkennen. Daraus ergibt sich einerseits wieder ein Platzbedarf um schnell mal „flüchten“ zu können, andererseits sollten die Ställe möglichst offen gestaltet sein um einen guten Überblick und die Interaktion mit der Umwelt zu ermöglichen.

 

Nahrungsaufnahme und Ausscheidung

 

Pferde haben im Verhältnis zu ihrer Körpergröße einen relativ kleinen Magen, der auf häufige Futteraufnahme in kleinen Portionen ausgerichtet ist. Wildpferde fressen bis zu 16 Stunden am Tag hauptsächlich nährstoffarme Gräser. Optimal für den Verdauungsapparat sind demnach kleine Futtermengen häufig angeboten und eine ausreichende Menge an Raufutter. Permanent sauberes Wasser sollte selbstverständlich sein. Auch für eine gute Verdauung sind Bewegungsanreize von Vorteil, da Gallenflüssigkeit nur bei Bewegung produziert wird. Bei vielen Pferden lässt sich beobachten, dass bestimmte Stellen für die Kotablage bevorzugt werden und die Harnabgabe häufig auf weichen Untergründen erfolgt. Getrennte Funktionsbereiche mit unterschiedlichen Bodenverhältnissen im Stall können diesem Verhalten gerecht werden.

 

Sozialkontakt

 

Als Herdentiere zeigen Pferde ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Hier ist nicht nur die gegenseitige Fellpflege und das Spiel miteinander gemeint, sondern viele Verhaltensweisen, wie Flucht und Fressen werden in der Gruppe ausgeübt. Je nach Sympathie oder Antipathie entstehen unterschiedlich starke Bindungen zwischen den Herdenmitgliedern. Ein weiterer und wesentlicher Aspekt, den die Gruppe dem Pferd bietet ist Sicherheit. Die Zusammenstellung der Gruppesollte demnach gut überlegt sein, und auch Rangordnung und Individualabstände (je nach Rasse unterschiedlich) müssen beachtet werden. Das sogenannte „Komfortverhalten“ (Wälzen, Körperpflege, Scheuern, ...) nimmt zwar wenig Zeit in Anspruch trägt aber sehr zum Wohlbefinden der Tiere bei. Auch hierfür sollte genug Platz und Möglichkeit vorhanden sein.

 

Ruhebedürfnis

 

79 Stunden pro Tag nimmt die Ruhephase in Anspruch. Wobei unterschiedliche Stufen beobachtet werden: Dösen im Stehen, Schlummern in Bauchlage und Tiefschlaf in Seitenlage. Tiefschlaf ist fast nur bei ausreichend Platz und in der Gruppe möglich, alleine fehlt den Pferden meist die Sicherheit. Es ist nicht immer leicht die Bedürfnisse von Reiter, Pferdebesitzer, Stallbetreiber und Pferd in Einklang zu bringen, doch je näher man der Natur des Pferdes kommt und je mehr man versucht sein Verhalten zu verstehen, umso enger und erfüllter wird die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd sein.

 

Solange Menschen nicht denken, dass Pferde fühlen, so lange müssen Pferde fühlen, was Menschen denken.

(unbekannt)

 

Quellen:

Vortrag Landwirtschaftskammer Stmk. DI Walter Breiningerhttp://www.lagonline.de/

Der Aktivstall (Tanja Hölldobler)www.alpenspan.at

Gesunde Einstreu für edle Tiere

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