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in kleiner Ausflug in die Botanik mit Mag. pharm. Judith Pirnik

,„Es grünt so grün …“ – nicht nur „wenn Spaniens Blüten blühen“, sondern auch giftig, wenn mit Beginn der Vegetationsperiode die Giftpflanzen wachsen und die Pferde wieder auf die Weide kommen.

Wild lebende Pferde fraßen und fressen von sich aus keine für sie giftigen Pflanzen, sind sie doch wenig schmackhaft. Dieses Verhalten erlernen ebenso Pferde, die im Herdenverband aufwachsen. Durch die Domestikation und die Art Pferde naturfern zu halten, ist diese Fähigkeit nicht mehr oder nur sehr schwach erhalten. Dabei liegt es in der Natur der Pferde an Laub, Zweigen, Rinde und Holz zu knabbern. Wird dieses Bedürfnis längere Zeit nicht befriedigt, weicht der natürliche Instinkt dem übersteigerten Trieb und schon landet das falsche Grünzeug im Pferdemaul bzw. -magen. Giftpflanzen können auch auf der Weide, mit dem Heu, beim Rasten während Ausritten oder beim Ausbüchsen von der Weide in den benachbarten Hausgarten aufgenommen werden.

Darum sollte jeder, der mit Pferden Umgang hat, die wichtigsten Giftpflanzen kennen und sie natürlich auch in freier Natur erkennen! Keine Angst- man muß kein Botaniker sein, um sie zu erkennen. Einfach „Augen auf!“ beim Ausritt oder Aufenthalt in freier Natur!

Im Wald da gibt es  die verschiedendsten Bäume und sogar giftige wie z. B. Eiche oder Akazie. Bei der Eiche (latein. Quercus robur) sind fürs Pferd nicht nur Blätter und Zweige giftig, sondern auch die Früchte, die Eicheln. Für Schweine hingegen stellen Eicheln ein Delikatesse dar. Verursacht werden die Vergiftungen durch Gerbsäuren, die bis zu 20% in der Rinde und zu 15% in den unreifen Früchten. Die Gerbsäure führt zu Verstopfungen und, wird sie in großen Maßen aufgenommen, zu Darmentzündungen.

Bei der Akazie (weiße Robinie, Robinia pseudoacacia) handelt es sich um einen bis zu 25m hohen Baum mit gefiederten Blättern und weißen, duftenden, in Trauben herabhängenden Blüten. Die Rinde enthält Toxalbumine Robin und Phasin. Das Robin führt zu Reizungen der Schleimhäute sowie zu spastischen Koliken mit Schweißausbrüchen und Kreislaufstörungen. Bei schweren Vergiftungen (ca. 100g Rinde) kommt es zu starker Erregung, Krämpfen, später zu Benommenheit und Lähmung. Deshalb darf auch für Koppelzäune, Boxenbau, Flankierbäume, Anbindestangen oder Hackschnitzel niemals Akazienholz verwendet werden!

Noch interessanter bzw. giftiger wird's am Waldrand. Dort lauern die verschiedenen Gattungen von Fingerhüten (roter, weißer, wolliger), Eibe, Farne, Blauer Eisenhut, Schwarze Tollkirsche, Seidelbast, Lupine und Maiglöckchen.

Vom Fingerhut gibt es verschiedene Arten: den roten (Digitalis purpurea), gelben (Digitalis lutea) und den wolligen Fingerhut (Digitalis lanata). Die ca. 1m hohe Pflanze blüht von Juni bis September und ist an ihren trichterförmigen, roten, innen rosa rot-gefleckten Blüten (bei D. purpurea) erkennbar. Die Pflanze enthält herzwirksame Glykoside, Steroidsaponine und Gerbstoffe. Giftig ist die gesamte Pflanze. Diese Toxine werden nicht durch Trocknen, Lagern oder Kochen inaktiviert d. h. sie sind auch im Heu noch toxisch! Vergiftungssymptome sind Atemnot, laute Herztöne, Herzrhythmusstörungen und Zittern. Die letale Dosis sind 25g trockene bzw. 100 bis 200g frische Blätter. Der Tod tritt durch Herzstillstand ein.

Ein Strauch, den man am Waldrand, aber auch in Gärten und Parkanlagen findet, ist die Eibe (Taxus bacata). Sie enthält in den Nadeln und im Samen das giftige Alkaloid Taxin, dessen Gehalt im Jänner am höchsten und im Mai am niedrigsten ist. Zunächst kommt es zu Herz-Kreislaufstörungen und ZNS-Störungen. Durch die rasche Resorption verursacht das Gift eine Lähmung des Atemzentrums und des Herzens. Wenige Minuten (ca. 15 Minunten) später tritt der Tod ein. Die letale Dosis beträgt 100 bis 200g pro Tier. Also Vorsicht, denn die Eibenzweige ohne Beeren sehen der, einer jungen Tanne zum Verwechseln ähnlich!

Wunderschön, aber problematisch fürs Pferd sind die Farne im Wald wie z. B. der Adlerfarn (Pteridium aquilinum). Sie enthalten Thiaminase, ein Enzym, das das Thiamin (Vitamin B1) spaltet, dadurch inaktiviert bevor es resorbiert werden kann. Somit entsteht auf die Dauer ein Vitamin B1-Mangel, der sich in blutigem Durchfall, Blut im Urin, Muskelzucken, motorischen Störungen und Krämpfen äußert. Allerdings muß ein Pferd 2-3kg pro Tag über mehr als einen Monat lang aufnehmen, bevor sich Störungen bemerkbar machen. Harmlos ist der Adlerfarn trotzdem nicht, denn die oberirdischen Teile, die leicht mitgemäht werden können, bleiben auch nach dem Trocknen (Heugewinnung) giftig.

Ein schweres Kaliber ist der blaue Eisenhut (Aconitum napellus), der eines der stärksten Pflanzengifte enthält: Aconitin, neben zahlreichen tetra- und pentacyclischen Diterpenalkaloiden wie Aconin, Hyperaconin oder Napellin. Besonders gefährdet sind Pferde auf Bergweiden. Das Gift wird rasch über Schleimhäute, Haut sowie Magen-Darm resorbiert. Das Aconitin greift die Reizleitung der Nerven an, wobei es in höherer Konzentration lähmend auf sensible Nervenendigungen wirkt. Auf das ZNS wirkt es zunächst erregend, dann hemmend. Es verlangsamt den Herzschlag (Bradykardie), führt zu einer zentralen Atemlähmung und schließlich zum Tod durch Herzstillstand. 200-400g der frischen Pflanze bzw. 350g der getrockneten Knolle wirken absolut tödlich! Bereits wenige Minuten nach dem Fressen von Eisenhut kommt es zu Erregung, Herzrhythmusstörungen, Krämpfen, Koliken oder Durchfall.

Die Kirsche, die den Frauen schöne Augen macht, die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna), ist nicht nur für Pferde gefährlich, sondern wegen ihrer wunderschönen, optisch ansprechenden Früchte, auch für Kinder. Das in ihr enthaltene Atropin wird heute noch in abgewandelter Weise beim Augenarzt zum Weitstellen der Pupillen verwendet. Im Mittelalter wurde derselbe Effekt von den Frauen benützt, um schönere, strahlendere Augen zu haben und so die Männer zu betören. Daß dadurch die Sehkraft erheblich beeinträchtigt war, schien nebensächlich zu sein. Naja - vielleicht kommt daher das Sprichwort: „Man muß viele Frösche küssen, bevor man einen Prinzen findet!“. Gesehen hat das Burgfräulein von damals ihren Auserwählten sicher nicht …

Jedenfalls beruht die Wirkung des Atropins, das in der gesamten Pflanze vorkommt, darauf, daß es die Wirkung des körpereigenen Überträgerstoffes des Nervensystems, das Acetylcholin hemmt. Dies führt zu einer beschleunigten Atmung und Herzschlag, Erregung, Tobsucht und schließlich zum Tod durch Atemlähmung.

Wunderschön anzusehen sind die Lupinien (Lupinus spp.). Sie enthalten Alkaloide, die akut zu Unruhe, Zittern, Inkoordination, Atemnot, Schaum vor dem Maul, bis nach Stunden oder Tagen der Tod durch Atemlähmung eintritt.

Zeitig im Frühjahr blüht zartviolett der Seidelbast (Daphne mezereum). Er enthält unter anderem Mezerin (Samen) und das Daphnetoxin (Rinde). Die Resorption erfolgt über die Haut oder oral, wobei das Mezerin Haut und Schleimhäute stark reizt. Es kommt zu Entzündungen und Blasenbildung. Beim Pferd kommt es nach oraler Aufnahme (Fressen) zu Kolik, Inkoordination, Fieber und Durchfall. Schäden an  den Nieren, ZNS und Kreislauf können auftreten.

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