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Anfang November 2001: Der Boden unserer abgeweideten Wiesen in Hanglage war bereits gefroren. Die Pferde waren schon mit Stollen und Grips ?winterfest? gemacht worden und hatten Zugang zur gesamten Weidefläche, um die letzten Hälmchen dieser Saison abzuknabbern. Wie es passierte weiß ich nicht. Plötzlich lahmte Nattdis links hinten, besonders wenn sie bergauf ging.

Bei genauer Untersuchung vom Huf aufwärts, stellte ich eine Schwellung des Knies fest. In den folgenden Tagen nahm die Schwellung zu, weshalb ich einen Tierarzt, der sich der Homöopathie und Akupunktur verschrieben hat und dessen Arbeit ich schon immer mal kennenlernen wollte bat, zu kommen. Alternativmedizin also, die ich sehr schätze. Er kam, zog Meridiane nach, setzte da und dort eine Nadel und meinte abschließend: ,,In drei Tagen müßte es besser sein.'' Meine geäußerte Besorgnis wegen des stark geschwollenen Knies, ließ er ungeachtet, sondern führte alles ?auf eine Blockade in der Hüfte zurück. Nach einer ¾  Stunde Behandlung war ich genauso schlau wie zuvor, nur meine Brieftasche war um 1800 S (ca. ?130,-) leichter. Mein Bauchgefühl sagte mir, daß Nattdis nicht wirklich geholfen worden war, obwohl die Lahmheit nach 3 Tagen tatsächlich weg war. 

Doch nach einem Schrittausritt lahmte sie wieder und die Schwellung bestand noch immer. So rief ich unseren ,,Haus- und Hoftierarzt'' Mag. Heinrich Damm an, der die Knieschwellung selbst fand; eine Spat-Beugeprobe verlief negativ. Er verordnete Phenylbutazon, ein schmerzstillendes und abschwellendes Medikament, für 10 Tage und Boxenruhe für 2 Wochen. Schäden am Knie konnten von ihm in Ermangelung eines Röntgen nicht diagnostiziert werden. Darum entschlossen wir uns von einem Grazer Tierarzt ein Knieröntgen machen zu lassen. Dieser kam, machte eine Spat-Beugeprobe, röntgte und nahm 1000 S ( ca. ?72,70). Ich bat ihn, sich mit Mag. Damm telefonisch in Verbindung zu setzen, um den Befund zu besprechen. Einige Tage später, die Schwellung war dank des Phenylbutazons zurückgegangen, rief ich Mag. Damm wegen der Röntgendiagnose an. Er erklärte mir, daß dieser Tierarzt von ?irgendwelchen Ablagerungen? gesprochen habe, die er ihm nicht näher erklärt habe. Mit ,,irgendwelchen Ablagerungen'' als Diagnose gab ich mich nicht zufrieden, weshalb ich ihn selbst anrief. Er erklärte mir, daß mein Pferd einfach eine Kniegelenksarthrose (=Abnützung des Gelenks) habe und er gerne die Weiterbehandlung übernehmen würde. Die Therapie wäre eine Injektion direkt in den Gelenksspalt. Auf meine geäußerte Besorgnis, daß eine solche Behandlung ein gewisses Risiko bedeute, nämlich im schlimmsten Fall ein Gelenkseiterung, meinte er wirsch, solche Injektionen seien sein tägliches Brot. Schon möglich - zu meiner Beruhigung trug es jedoch nicht bei. Genauso wenig, wie die Aussage, daß ein 11-jähriges Pferd, daß seit 3 Jahren freizeitmäßig geritten wurde und die Jahre zuvor als Zuchtstute auf der Weide verbracht hatte, eine Kniegelenksarthrose haben soll. Auch, daß mal von Arthrose (=Gelenksabnützung), mal von Ablagerungen (Knochenzubildungen?) gesprochen wurde, machte mich zunehmend skeptisch. Wobei ich sagen muß, daß ich nicht schlauer sein will als ein Tierarzt.

Darum besprach ich meine Skepsis mit Mag. Damm, der mir riet an die Veterinärmedizinische Universität nach Wien zu fahren, da sie dort alle Möglichkeiten hätten, Nattdis in alle Richtungen zu untersuchen. Der Gedanke an all die Strapazen (lange Fahrt für Pferd u. Fahrer) schreckte mich zunächst ab, doch dann schien es mir doch das Vernünftigste, besonders nachdem der Grazer Tierarzt mich auch noch wegen des Röntgenbildes gängelte: Ich bat die Ordinationsassistentin, um das Röntgen und einen schriftlichen Befund. Diese bejahte; ich könne ohne weiteres das Originalröntgen haben, sie mache einen Aktenvermerk und der schriftliche Befund sei auch kein Problem. Sie werde es dem Herrn Doktor ausrichten. Da es kurz vor Weihnachten war, rief ich erst im Neuen Jahr wieder an, da eine Wienfahrt sowieso erst für Jänner geplant war. Anfang Jänner hieß es, der Befund sei noch nicht fertig, aber der Tierarzt wisse davon. Ein paar Tage später: wieder null Ergebnis. Nun rief ich den Tierarzt persönlich an und brachte ihm mein Anliegen vor. Er werde es machen und für mich in der Ordination hinterlegen. Noch eine Woche später ? kein Röntgen, kein Befund. ?Leicht? genervt rief ich nochmals den Tierarzt an und bat höflich, um die mir versprochenen Unterlagen. Wir einigten uns auf einen konkreten Wochentag, an dem ich die Unterlagen abholen könne. Inzwischen kam mir das alles sehr eigenartig vor. Welchen Grund sollte ein Tierarzt haben, mir diese Unterlagen nicht auszuhändigen? Deshalb rief ich bei der Tierärztekammer an. Dort erfuhr ich, daß das Originalröntgen dem Arzt gehöre und er es mir nicht aushändigen müsse. Um so entgegenkommender fand ich sein Angebot, es mir geben zu wollen! Aber, so erklärte man mir auch, warum er sich gar so bitten lasse, verstehe man nicht.

Es war bereits Ende Jänner, als ich am Vormittag des verabredeten Tages in der Ordination des Grazer Tierarztes anrief, um zu fragen, wie lange die Ordination besetzt sei, um meine Unterlagen abzuholen. Daß sie hinterlegt waren, davon ging ich aus. Wie sehr man sich doch irren kann ? nichts war da!! Nun platzte mir der inzwischen schon eng gewordene Kragen endgültig! Ich rief den Tierarzt übers Handy an und fragte, was d a s den solle. Zu hören bekam ich, daß er vergessen habe (nach 6 Wochen!) und ich ?es sicher nächste Woche (Februar!) bekäme. Als ich erwähnte, daß ich mich bei der Tierärztekammer über meine Rechte erkundigt hätte, schlug seine Tonart gänzlich um: er müsse mir gar nichts geben; schon gar nicht das Original. Wenn ich wolle, könne ich ein eine Kopie haben und, alles in allem, samt schriftlichen Befund koste es nochmals S1.500,- (?109,-)!

Dankend lehnte ich dieses ,,nette'' Angebot ab ? und schwor mir, mit Nattdis möglichst schnell nach Wien zu fahren. Ich bekam das Gefühl nicht los, daß etwas faul war.

Lesen sie demnächst im Teil 2: Wie wir dann doch an die veterinärmedizinische Universität nach Wien kamen und was uns dort erwartete.

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