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5.2.2012 : 23:56 : +0100


Kleines Pferdchen mit großen Gängen

Ausbildung eines Jungpferdes nach den Prinzipien der akademischen Reitkunst

Von Mag. Judith Totter und Mister Moritz

März 2004 bis Juli 2008

Als ich Mister Moritz im Mai 2004 kaufte, war er knapp 3 Monate alt und roh. Da er zur Schlachtung bestimmt war, hatte sich keiner näher mit ihm befasst. Das Wichtigste und Grundsätzlichste in der Pferdeerziehung ist der sogenannte „Rote Faden“, der sich durch die gesamte Ausbildung, das ganze Pferdeleben, ziehen soll. Unseren roten Faden band ich an der Basis von allem, unserer Beziehung zueinander, fest, da die Art unserer Beziehung entscheidend für das Zusammenleben in den nächsten Jahrzehnten sein wird. Bereits Xenophon riet:

Seine charakterliche Prägung und Formung sei dir besonders wichtig! Präge es von seinem ersten Lebenstagen an so, dass es zu dir tiefes Vertrauen fasst, dich respektiert und dir gehorcht. Mache dein Pferd menschenfreundlich! Es soll dich geradezu lieben.

Moritz brachte durch sein freundliches, neugieriges, aufgeschlossenes und dabei gelassenes Wesen sehr gute Voraussetzungen für ein liebevolles Miteinander mit. Da man als Ausbilder sein Pferd, ähnlich einer Modelliermasse formt, im Bestreben ein lebendiges Kunstwerk zu erschaffen, sollte man die guten Ansätze fördern und die schlechten zumindest verbessern. Nicht zu selten passiert es aber, dass gute Ansätze verloren gehen oder das sich die Vorstellungen des Ausbildners nicht an den Vorgaben des Pferdes orientieren und ein nahezu gänzlich neues Pferd „modelliert“ wird. Sehr zum Leidwesen des Pferdes, da sein Sein und sein Körper rücksichtslos übergangen werden. Dass dabei das Pferd nur Schaden nehmen kann, versteht sich von selbst. Pluvinel sagte schon:

„Die Anmut eines jungen Pferdes gleicht dem Duft einer Blume; einmal verflogen, kehrt er nie mehr wieder.“

Eines meiner wichtigsten Anliegen ist, Moritz’ natürliches Wesen zu erhalten, reifen zu lassen und es für unser Tun zu nutzen. Sein Wesen ist schließlich mitverantwortlich für die Art, sich zu bewegen. Ein weiteres, ihm und mir, Zeit zu lassen mit der Ausbildung, um zu verstehen und zu lernen. Er ist mein erstes „weißes, unbeschriebenes Blatt Papier“, ein Vergleich, den Bent Branderup gerne zieht, wenn es um junge Pferde geht und es ist seine erste Ausbildung, die er erhält. Damit auf dem Blatt Papier etwas sinnvolles geschrieben steht, kommt man nicht umher, sich schon lange vor dem ersten und nächsten Schritt viele Gedanken zu machen, insbesonders, wenn es an Erfahrung mangelt:

„Widme seiner Ausbildung soviel Aufmerksamkeit als ginge es um deinen eigenen Sohn! Achte darauf, dass Körper und Seele deines Pferdes sorgfältig geschult werden. Es soll sich durch Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit auszeichnen“ (Xenophon).

Unsere allererste Beziehungsarbeit basierte auf dem Kraulen an allen Körperstellen, wovon Moritz damals wie heute sehr angetan war. Somit wurden jegliche Tabuzonen für später ausgeschlossen. Nach ein paar Wochen war das Anlegen des Halfters kein großes Problem, obwohl er anfangs ein Heil mit seinen Ohren hatte und das Halfter deshalb gänzlich geöffnet werden musste. Das legte sich bald und heute gehört Ohrenkratzen zum Verwöhnprogramm. Bereits diese Dinge wurden ruhig, spielerisch, ohne Zwang auszuüben, aber konsequent und mit viel, viel Lob erarbeitet. Schon Xenophon wies auf die Bedeutung des Lobes in der Pferdeerziehung hin:

„Belohnung und Strafe sind die einzigen Erziehungsmittel. Aber Belohnung hat unbedingt Vorrang!“.

Das Loben erfolgte mit Stimme und Futter. Moritz lernte von klein auf, wann er „Suuuper!“, „braaav!“ war oder etwas „Nein!!“ war. Auch heute genügt ein scharfes „Nein!“, um ihm in seinem Tun Einhalt zu gebieten. Als Futterlob diente anfangs ein kleiner Honigtopf, der unser ständiger Begleiter war, da Moritz noch keine Leckerli fressen konnte/wollte. Dank Halfter war nun endlich Impfen und Entwurmen möglich.

Aus dem Kraulen wurde das Putzen und zusammen mit dem Halfter anziehen war es das Ritual fürs anschließende „Rausgehen“. Dieses Ritual blieb stets gleich, was Moritz Sicherheit gab, weil er wusste, was ihm bevorstand. Das „Rausgehen“ war zunächst das freie Mitlaufen neben der Mutter bei stundenlangen Ausritten im angrenzenden, weitläufigen, abgelegenen Waldgebiet und später, nach Sturz der Besitzerin, das Spazierengehen mit Mutter und mir. Obwohl die beiden im Offenstall lebten und eine großzügige Weide hatten, war es mir wichtig, zusätzliche Reize für Lunge, Bewegungsapparat und Sinne zu schaffen.

Beim Spazierengehen durfte er zunächst frei laufen, um seinen enormen Bewegungsdrang nachzukommen. Damals begann ich mich zu fragen, wie eine Jungpferdeaufzucht in einer Box funktionieren soll. Xenophon weist ebenfalls darauf hin:

„Sei achtsam und nimm auf seine Bedürfnisse Rücksicht!“

Erst wenn Moritz sich ausgelaufen hatte und er psychisch bereit war, wurde er öfters, für wenige Minuten am Strick geführt. Im Gleichklang mit der Mutter wurde das Anhalten und Angehen geübt. Natürlich waren wir weit weg von jeglicher Perfektion, aber Moritz lernte Bewegungsablauf und stimmliches Kommando kennen. Für annähernd richtiges Verhalten wurde er stets belohnt. Lernbegierig und klug wie er ist, begann er selbst zu „üben“: er ging von sich aus die längste Zeit, ohne angebunden zu sein, „bei Fuss“ wie ein Hund. Überhaupt begann er mit etwa 5 Monaten zu „menscheln“, mich zum Spielen auffordern und seine Mutter nur noch als Milchbar zu sehen. Sein Freilaufen im Wald versetzte seine Mutter und mich immer öfter in helle Aufregung, da Moritz darin für mehrere Minuten außer Hör- und Sichtweite verschwand und an ganz anderer Stelle zu uns auf den Weg wiederkehrte. Es bestand zwar keine Gefahr durch Verkehr, doch konnte er sich bei seinen wilden Galoppaden querfeldein im Wald verletzen oder die Orientierung verlieren. Seine Neugier war damals schon größer als die Bindung an seine Mutter. Darum wurde er mit 5 Monaten abgesetzt und zog in eine Hengstaufzucht mit dem damals 17-jährigen Vollblutwallach „Sascha“ als Chef. Sascha nahm Moritz sofort unter seine Fittiche und die beiden waren vom ersten bis zum letzten Tag die besten Freunde. Die nächsten Jahre unterrichtete vorwiegend Sascha und Moritz konnte endlich spielen, laufen, raufen – einfach Pferd sein!
Meine Besuche beschränkten sich auf zweimal wöchentlich, wo ich dann auch Stalldienst hatte. Da ich selbst aus der Arbeit kam, fehlte mir oft die Zeit zum „Erziehen“. Lediglich unser Ritual: Putzen, Hufe auskratzen/bearbeiten, halftern und Anbinden wurde beibehalten. Hinzu kamen das Holen von der Weide, weg von den Freunden und das brave Stehen trotz vorrübergehenden Herdenverlustes. Selbstverständlich begannen wir auch hier mit nur wenigen Minuten, die reichlich belohnt wurden. Alles was länger gedauert hätte, hätte Moritz Geduld zu sehr strapaziert und letztendlich nur zu unnotwendigen Widersetzlichkeiten geführt, denn schließlich war er noch ein „Kleinkind“. Also: weniger ist oft mehr. Als dieser Schritt funktionierte, begann ich Moritz in Sichtweite der Herde  und doch außerhalb der Koppeln spazieren zu führen. Schnell war die Herde vergessen, war doch das Leben draußen viel aufregender als drinnen: Bellende Hunde hinter verdeckten Gartenzäunen, Rasenmäher, Autos, kreischende Kinder, …


Ich ließ Moritz seine Neugier, die stets über den anfänglichen Schrecken siegte. Selbst wenn er anfangs einen Sprung zu Seite machte oder vor Erregung zu piaffieren begann, kehrte er doch stets an den „Ort des Schreckens“ zurück, um seine Neugier zu stillen. Dort durfte er solange stehen und schauen bis es ihm fad wurde und wir zu neuen Abenteuern aufbrachen – und so handhaben wir es noch heute. In dieser Lernphase ging es ums Trennen von der Herde, Respekt mir gegenüber, mir zu folgen und diverse Stimmkommandos zu erlernen: „Komm!“, „Steh!“,„Warten!“ und auf meinen Körper zu achten. Dies war notwendig bei den vielen Toren, die wir zu öffnen und zu schließen hatten. Anfangs trat Moritz mir des öfteren auf die Zehen (Stahlkappenschuhe!), da er mit seinen Gedanken woanders war oder weil er um meinen Bewegungsablauf nicht kannte. Heute ist es wie ein Tanz zwischen uns, da er aufmerksam in meinem Körper liest.Außer einem roten Faden zu haben, ist es wichtig, dass man sich als Ausbildner so mitteilen kann, dass das Pferd es verstehen kann. Oft werden Widersetzlichkeiten grob geahndet, dabei ist es ein Hilfeschrei des Pferdes, nicht verstanden zu haben. Es ist Aufforderung und Aufgabe des Ausbildners, es nochmals, geduldig und ruhig, vielleicht ein wenig anders, aber vor allem langsam zu erklären. Hat das Pferd verstanden, was man von ihm will, darf man es nicht durch ständiges Wiederholen nerven, sondern sollte die Arbeit als Belohnung abbrechen. Xenophon formulierte es so:

„Setze alles daran, dich deinem Pferd verständlich mitzuteilen. Es soll deine Sprache verstehen“ und „Belohne jede besondere Leistung und jeden Lernfortschritt – am besten indem du ihm eine Pause gönnst oder die Arbeit beendest.“

Mit etwas mehr als 3 Jahren begannen wir mit der Bodenarbeit nach den Prinzipien der akademischen Reitkunst. Selbstverständlich waren unsere Rituale (Putzen, Hufe, Halftern) vor der Bodenarbeit immer noch dieselben. Verwendet wurden ein Kappzaum und ein ca. 4m langer Strick sowie gegebenenfalls eine Gerte. Die Arbeit begann zunächst mit Stillstehen, was zuvor schon geübt wurde, dann das Strecken vorwärts-abwärts im Stehen und das seitliche Biegen nach links und rechts. Diese 3 Übungen erklärte ich Moritz zunächst getrennt und als er begriffen hatte, wurde sie in Abfolge gebracht mit Schritt gehen, halten und rückwärts gehen. Damit habe ich Xenophon’s Rat befolgt:

„Langweile dein Pferd nicht! Variiere die Arbeit, biete ihm unterschiedliche Anregungen.“

Diese Übungen machten wir, wo immer wir gerade waren: vor dem Stall, im Viereck oder beim Spazierengehen. Es ist zu beachten, dass man erst kombinieren bzw. etwas Neues hinzunehmen kann, wenn die Einzelteile sitzen. Außerdem muss beim Unterrichten ein „A“ immer ein „A“ bleiben und nicht morgen plötzlich ein „B“ sein. Unter solchen Umständen tut sich selbst ein kluges Pferd schwer beim Lernen und wird unsicher, verstört, mit Widersetzlichkeit vielleicht, reagieren. In solch einem Falle zu strafen wäre ungerecht, denn der Fehler liegt allein beim Lehrer.Bedacht genommen werden muss auch auf die Tagesverfassung des Schülers. Moritz hatte entwicklungsbedingt Tage, wo er faul oder schlecht konzentriert war. An solchen Tagen ist Einfaches schon schwer. Es erfordert viel Selbstbeherrschung, nicht ungeduldig zu werden, da man weiß, dass er es eigentlich kann. Dann gab es Tage, wo er überging vor Energie und die Lektion Stillstehen, die schwerste war. Damals beendete ich die Arbeit, die sehr bewegungsorientiert und abwechslungsreich gestaltet war, nach einem 3-Sekunden-Stillstand, weil es für ihn die damalige Tageshöchstleitung war. Ständiges Wiederholen hätte lediglich an seinen und meinen Nerven gezehrt und uns beide missmutig gemacht. So gingen wir jedoch zufrieden und fröhlich zurück in den Stall. Doch gibt es ebenso Tage, an denen Moritz alle Übungen perfekt absolviert, wo es nichts zu verbessern gibt. Dann sind wir schon nach 10 Minuten am Rückweg zum Stall, wo er sein Kraftfutter als Belohnung bekommt. Wofür an solchen Tagen noch weiter üben?

Doch genauso Bedacht genommen werden muss auf die eigene physische und vor allem psychische Tagesverfassung. An Tagen, an denen man selbst nicht gut drauf ist, gestresst, ungeduldig, unkonzentriert und unter Zeitdruck steht, sollte man die Finger von der Arbeit mit dem Pferd lassen. Wieso sollte ein Pferd, überhaupt noch ein junges, Prügelknabe werden wegen menschlicher Unzulänglichkeiten?  Sicher, die eigene Tagesverfassung einzuschätzen, setzt viel Ehrlichkeit und Selbstkritik voraus, doch kann man selbst und das Pferd nur davon profitieren. Ausreichend Zeit, Geduld, Konzentration, eine positive Grundstimmung und einen Plan für die bevorstehenden Lektionen sowie Konsequenz sind Zutaten für eine erfolgreiche Arbeit.
Spielerisch kamen dann noch das Schulterherein und das Kruppherein dazu und rundeten die Bodenarbeit der akademischen Reitkunst ab. Im April 2007 mit 3½ Jahren wurde Moritz im Stehen kastriert und ich blieb 3 Nächte und 4 Tage an seiner Seite. Diese Zeit hat uns sehr zusammengeschweißt und gestärkt. Im November 2007 übersiedelte er von der Hengstaufzucht zu uns auf den eigenen Hof. Das Einsteigen in den Hänger war das kleinere Problem. Der Abschied von seinen Kumpels und dem Spielen das größere. Da Fannar mit seinen 24 Jahren nicht mehr all zu oft zu Spielen aufgelegt ist, orientierte Moritz sich wieder an mir. Ich merkte, er suchte Beschäftigung.
Um seinem Bewegungsdrang Herr zu werden, ihm etwas Neues zu bieten und natürlich auch um in seiner Ausbildung voran zu kommen, begann ich ihm das Longieren zu erklären. Für ihn war das größte Problem, der große Abstand zwischen uns. Jahrelang war ich stets neben ihm und er brauchte nur Schritt zu gehen und jetzt jagte ich ihn weg? So deutete er es offensichtlich. Moritz fand es nicht lustig und machte einen unsicheren, verlassenen Eindruck und ein bekümmertes Gesicht. Den Vorgang des Longierens begriff er schnell, doch konnte er sich nicht entspannen, weil er doch sooo weit weg von mir war. Er ging anfangs gespannt, mit durchgedrücktem Rücken, aufgeregt und unsicher in hohem Tempo seine Runden. Erst mit zunehmender Routine, der Gewissheit, dass ich da bin und dauernden Zureden meinerseits, begann er sich zu entspannen. Er verstand plötzlich, dass das nur Bodenarbeit im Kreis war, sein Weltbild deshalb nicht zusammenbrach und er machte in kurzer Zeit riesige Fortschritte. Man kann sich denken, dass ich in dieser sensiblen Lernphase, die Übungszeit extrem kurz hielt und ihn für jeden richtigen Ansatz ausführlich lobte, um weiterhin die Freude an der gemeinsamen Arbeit zu erhalten. Und dieses Geschenk, die Bestätigung der Freude an unserer Arbeit, die auch Xenophon fordert:

„Bringe es zu Arbeitsfreude und freiwilligem Gehorsam!“,

hat Moritz mir gemacht. Egal, wo Moritz ist, ob frei auf der Weide oder im Paddock, sobald er sieht, dass ich seinen Kappzaum und die Longe in der Hand halte, kommt er am schnellsten Wege zu mir. Er wiehert mich an, klebt sich an meine Schulter und weicht mir nicht mehr von der Seite – sogar das Öffnen und Schließen diverser Tore macht er spiegelgleich mit, ohne die Position an meiner Schulter zu verlassen! Und wenn ich ihm schließlich den Kappzaum überstreife, blicken mich freundlich-erwartungsvolle Augen an – und mir lacht das Herz im Leibe. Auch während der Arbeit, wo ich mit einfachen, bekannten Lektionen beginne, zeigt er mir stolz, dass er sie alle schon kann. So erfüllen wir Xenophons Forderung:

„Dein Pferd soll Freude bei seiner Arbeit empfinden und in seinen Bewegungen und seiner Haltung Begeisterung zum Ausdruck bringen.“

An Neuem arbeitet er interessiert und konzentriert mit und gibt sein Bestes. Selbst, wenn sein gegebenes Bestes noch nicht perfekt ist, so ist es, wie ich weiß, das heutige Tagesmaximum und wir beenden die Arbeit. Für das altbekannte Übungsprogramm, bestehend aus Schritt, Halt und Trab im vorwärts-abwärts, auf beiden Händen, brauchen wir oft nicht mal 15 Minuten, da er es so gut macht. Mit dem Longieren will ich ihm ja nicht Bewegung verschaffen, denn die macht er beim täglichen Weidegang oder beim Fannar ärgern selbst, sondern nur bestimmte Aufgaben abrufen. Neu hinzu gekommen ist der Galopp, wo ich bisher nur einige, wenige Sprünge verlange, da es ihn noch körperlich überfordert, doch das dazugehörige Kommando lernt er so jetzt schon.

So nebenbei „geübt“ wurde alles, was sich durch den Tagesablauf ergibt: das Einpacken in leere Einstreusäcke, Eindecken mit  Fannar’s alter Decke, Tragen von Satteldecke und Longiergurt, zeitweises Tragen eines Kopfstückes samt Trense und, am 28. Juni 2008 erstmalig das Satteln und Gurten. All diese Lektionen entstanden zwanglos, basierend auf meinem Vorschlag und Moritz’ Neugier. Da ihm, bei allen von mir gestellten Aufgaben noch nie etwas Unangenehmes widerfahren ist, ist sein Vertrauen in mich groß und die Neugier, was Frauchen sich nun wieder einfallen lässt, noch größer.

Besonders angetan ist Moritz von unserem neuen, hölzernen Hocker, der zur Übung fürs Aufsteigen vom Hocker aus, dient. Er hatte keinerlei Probleme mit dem Hocker selbst oder wenn ich mich, auf ihm zur vollen Größe aufrichtet oder dass ich ihn die ganze Zeit, hinter ihm herschleppe. Nicht einmal als ich mich vom Hocker aus über seinen Rücken legte, war er beunruhigt. Doch er merkte rasch, dass er mir Probleme machen konnte, indem er mich an den nackten Kniekehlen kraulte oder zur Seite trat, wenn ich vom Hocker aus, mich über seinen Rücken legte und er ein wenig zur Seite trat. Anscheinend fand er dies genauso amüsant wie mein Lebensgefährte, der meinte: „Du fällst schon vorher vom Pferd bevor du überhaupt oben sitzt!“. So haben wir alle Spaß an der Ausbildung und Moritz lernt, dass schwankende, mit Armen rudernde und herabspringende Menschen keine Bedrohung darstellen, was wichtig ist fürs spätere Reiten. Wann ich nun das erste Mal im Sattel auf Moritz sitze, weiß ich noch nicht, denn den Zeitpunkt bestimmt er, so wie er auch in seiner bisherigen Ausbildung die Fortschritte vorgegeben hat. Er ist für mich der alleinige Maßstab an dem ich mich orientiere. Schließlich ist

„Reiten mehr als Sport! Es ist Leidenschaft, Berufung, Kunst – und es ist eine Ehre, sich auf den Rücken eines Pferdes setzen zu dürfen!“

In diesem Sinne …

Mag. Judith Totter und Mister Moritz

J.T.

Literatur

[1] Dr. Phil. Klaus Widdra, Xenophon - Reitkunst, Wu Wei Verlag, Schondorf, 2007